Die Bestattungsrituale der Wikinger

 


Wer waren die Wikinger ?

Die Zeit der Wikinger war vom 8.bis 11.Jahrhundert. Auf der Suche nach Gold, Silber und Sklaven verließen sie ihre Heimat Norwegen, Schweden und Dänemark mit Drachenbooten. Überbevölkerung und die Gewinnung von Eisen zur Waffenherstellung, kann sicherlich auch dazu beigetragen haben.
Sie waren Entdecker und gefürchtete Krieger. Sie raubten und plünderten, selbst vor Kirchen machten sie keinen Halt. Menschen die vorgefunden wurden hatten keine Chance. Entweder wurden sie getötet oder versklavt. Vieh wurde geschlachtet und das Fleisch als Proviant mitgenommen. Als Händler kamen sie bis nach Persien und China. Später wurden ihre Beutezüge durch Kolonisation ersetzt. Es gibt viele Wikingersiedlungen in Nordengland/York,Schottland, Frankreich,Island und Grönland.
Aber sie waren auch Bauern, die Getreide, Flachs und Gemüse anbauten. Sie waren Fischer, Jäger und Tierzüchter. Ihre Herden von Schafen, Rindern und Ziegen bevölkerten die Küsten und Fjorde. Sie waren Baumfäller und konnten Holzkohle herstellen. Und natürlich großartige Seefahrer und Schiffsbauer.


Aber die Helme mit Hörnern, die oft abgebildet worden sind, konnten unter echten Fundstücken nie aufgefunden werden.


Das Meer war für diesen Volksstamm sehr wichtig. Es wurde "Silberne Halskette der Erde" und "Glücklicher Ort" genannt. Sie glaubten, in Schiffen begraben, in die Welt der toten Seelen zu gelangen.



   huenengrab

Bestattungen :
Man kann mehrere Arten der Bestattungsrituale unterscheiden.

1. Sarggräber
2. Körpergräber wie Schacht- Kammer und Bootgrab
3. Brandgräber
4. Brandgrubengräber

Alle Varianten wurden nebeneinander praktiziert, wobei die Bestattung in Schachtgräbern die Häufigste und die Bootgrabbestattung die Älteste ist.


Allen gemeinsam ist die Fülle an Grabbeigaben, die Alles enthielten, was man im Jenseits so braucht. Sie waren prunkvoll und schön. Beliebte Beilagen waren Waffen, Schmuck, Tiere, Speisen, Zelte, Schiffsausrüstung, wie z.B Ruder, Töpfe, Sättel, Spaten usw.
Selbst Schlitten und Wagen sind gefunden worden, mitsamt geopferten Pferden. Genug um sie vor den Wagen oder Schlitten zu spannen.

Frauen gab man Spindeln, Webstühle, Nadelkissen, Wollkämme und Glaskugeln, sogenannte Gnidelsteine, mit ins Grab. Diese dienten erhitzt dazu, Wäsche zu glätten. Gefunden wurde dies in Birka/Schweden und Haithabu in Norddeutschland. Man gab als Grabbeigabe nur die schönsten und persönlichsten Sachen der Verstorbenen.


Genau wie im öffentlichen Leben, mußte man sich auch bei der Bestattung an bestimmte und vorgeschriebene Rituale halten.


Entlang des Oslofjordes in Norwegen,liegt Tonerde unter der Grasnarbe, welche Luft und Wasser abschließt. Daher sind dort, auch noch nach 1000 Jahren, guterhaltene Gräber zu finden. Die Schätze aus diesen Bootgräbern von Gokstad, Tune und Oseberg sind im Wikingerschiffmuseum auf Bygdoy in Oslo ausgestellt. Diese Gräber stammen aus der Zeit 815 bis 900. Das konnte anhand der Jahresringe im Eichenholz der Schiffe festgestellt werden.


Das Schiff wurde an Land geholt und in eine Grube gelassen. Hinter dem Schiffsmast wurde der Tote mit seinen schönsten Gewändern gebettet.Darüber wurde dann ein Erdhügel aufgeschüttet.


Es gibt eine Aufzeichnung des Arabers Ibn Fadlan, der einer Bestattung in der Nähe von Bulgar an der Wolga beigewohnt hat. Dort hatte sich eine Sklavin entschieden, dem Toten zu folgen.


In Norwegen und in westeuropäischen Wikingergegenden hat man Gräber gefunden, die vor dem Anschütten von Erde,in Brand gesetzt worden sind. Das erklärt auch das Auffinden von Schiffsnieten in der Asche. Im Gebiet des Oslofjordes allerdings nie. In älteren Ritualen wurden die Toten mit Schiffen auf See verbrannt. Entweder wurden dabei die Schiffe auf eine Sandbank gesetzt oder die Schiffe segelten brennend auf das offene Meer.


Bei den Brandgräbern wurde die Asche über die Grabstätte verstreut.

Bei den Urnengräbern wurde die Asche in einem Gefäß beigesetzt.

Bei Beiden Varianten gelangte die Asche aber nicht ins eigentliche Grab.

Bei den Brandgrubengräbern Kamen die Reste des Scheiterhaufens direkt in das Grab. Die Scheiterhaufen an sich waren entweder direkt an der Grabstelle oder auf einem extra Verbrennungsplatz.

Brandgräber wurden mit Steinen oder Hügeln bedeckt. Die Form dieser Steinhügel war verschieden. Sie konnten rund, drei- oder viereckig sein. Dann gab es noch Hügel in Schiffsform, sogenannte Domarringe.


Die Kammergräber bestanden aus einem großen, breiten und tiefen Schacht mit stabiler Holzkonstruktion. Wobei es dort auch Doppelgräber gab. Ob diese Art der Bestattung allerdings heimischer Sitte und Tradition entsprechen weiß man nicht. Es spricht einiges dafür, daß dies aus Friesland und Niedersachsen-Westfalen übernommen wurde.


Das Sarggrab bestand aus einem Holzsarg oder der Leichnam wurde in Tierhaut, Rinde oder Tuch gewickelt und in einer Grube beigesetzt.


Später durch die Christianisierung wurde nur noch die Körperbestattung praktiziert. Wobei die Anpassung an christliche Riten nicht unbedingt auch die Übernahme deren religiöser Inhalte bedeutet hat.

 

 


   
 
   
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